Druckversion
H-Mode und Patienten-Karte
25 Jahre MI in Heidelberg/Heilbronn
Sinn und Unsinn der Medizinischen Informatik
Dresden - Musik - Medizinische Informatik
Bedeutung des Überlochs in der Medizinischen Dokumentation
- GMDS - Die verschlungenen Wege der Jahrestagungen


Claus O. Köhler
Grünlingweg 1
69168 Wiesloch
tel 06222-53720
eMail c.o.koehler@dkfz-heidelberg.de



 - GMDS -
Die verschlungenen Wege der Jahrestagungen

 Köhler, C.O.

 

1. Einleitung

Die GMDS lebt unter anderem - oder gar in erster Linie? - durch ihre Jahrestagungen. Wie kommen die Orte der Jahrestagungen zustande oder welche Überlegungen werden an­ge­stellt, um die Tagungsorte festzulegen bzw.  den Weg oder die Wege zwischen den Jah­res­tagungen  zu bestimmen? Diese Frage soll im folgenden wissenschaftlich untersucht und beantwortet werden.

 

2. Methodik

Als jemand, der sich einbildet ein ernsthafter Wissenschaftler zu sein, muß man sich na­tür­lich auch ernsthaft mit der einzusetzenden Methode beschäftigen, bevor man eine Un­ter­suchung in An­griff nimmt.

Im Titel sind zwei verschiedene Begriffe verwendet (oder implizit ver­wen­det), die man zur methodi­schen Untersu­chung  definieren muß, 'Weg' und 'Städte­na­men'. Der Weg kann definiert werden als 'Strecke zwischen zwei Städten'. Damit müssen nur noch die Städte­namen definiert werden. Als einfachstes Verfahren bietet sich hier die Ver­schlüs­se­lung nach Au­tokennzeichen an. Erstens sind diese ein-eindeutig (mit der ein­zi­gen Aus­nah­me von 'L' mit bisher noch zwei Bedeutungen)­, zweitens sind sie allgemein bekannt, und drit­tens habe ich sie schon einmal in einem Vortrag verwendet (MI = Milano = Me­di­zi­ni­sche Informa­tik) - Wiedersehen macht Freude.


3. Das neueste Beispiel

 Der Weg der GMDS-Jahrestagung 1993 in Lübeck nach Dresden, wo sie 1994 stattfindet, führt über Heidelberg. Beweis:

HL

HD

DD

Man ist in zwei Schritten durch jeweils einen Austausch eines Buchstabens am Ziel. Diese Iteration ist natürlich nur ein Ausdruck des allgemeinen guten Trends der Beziehungen zwischen alten und neuen Bundesländern, Beweis:

              Bundeskanzler zu Bieden­kopf,

              Baden-Württemberg zu Sachsen,

              Hei­del­berg zu Dresden.

 Eigentlich war einmal geplant, den Weg genau anders herum ablaufen zu lassen, nämlich Dresden -> Lübeck, aber der Theorie tut das ja keinen Abbruch. Ob man diesen anderen Ablauf in Lübeck allerdings so gern gesehen hätte wie jetzt diesen realisierten in Dresden, müßte ge­son­dert untersucht werden.

 Der nach Dresden nächste Tagungsort nach Dresden müßte (wieder mit der  Zwi­schen­stadt HD) somit Hildesheim und der über­nächs­te Erding (ED) sein, wenn meine Theorie stimmt. Was uns wieder nach Bayern führt. So kann man dann sehr einfach all die näch­sten Tagungsorte bestimmen.

 Was ist dran an unserer Affinität zu Sachsen und zu Dresden?

 Kohl hat sich auch einmal gewünscht, den Biedenkopf möglichst weit weg an die pol­nische Grenze zu verdammen, lokalisationsmäßig ist ihm das auch gut gelungen, aber sonst.....?

 Baden-Württemberg wollte sich im Freistaat Sachsen einen Partner sichern, daß daraus sehr schnell ein ernst­haf­ter Konkurrent geworden ist - oder gerade wird - konnte man schließ­lich nicht ahnen. Die Affinität Heidelberg zu Dresden liegt auf der Hand - da hat man von seiten Heidelbergs doch lieber zu Baut­zen gegriffen, da existiert nicht so ein gro­ßes kulturelles Über­gewicht von seiten des östlichen Geschwisters. Aber die beiden Uni­ver­sitäten Heidelberg und Dresden haben natür­lich ein herzliches Ver­hält­nis zueinan­der (selten so gelacht).

 In der MI sieht das selbstverständlich hervorragend aus, der Dresdner Lehrstuhlinhaber (Kunath) hört so auf, wie der Heidelberger (Haux) anfängt. Wenn das nicht eine gute Koo­perationsvoraus­set­zung ist? Treffen tun sich beide beim Obstler, buchstabieren beide den Apfel nur auf englisch. Es gibt noch mehr Ähnlichkeiten, Gleichheiten oder andere Verbindungen zwi­schen den Lehrstuhlinhabern: beide sind männlich, beide sind ver­hei­ra­tet und haben min­destens ein Kind, beide reichen mit beiden Beinen bis auf die Erde, bei­de sprechen deutsch gut (der eine ist nämlich kein Sachse von Ge­burt, der andere erst recht nicht). Beide bemühen sich um die Zukunft der MI, die Beto­nung liegt auf be­mühen.

 
4. Wie sieht es mit meiner Theorie in früheren Jahren aus?

 Wenn man die Kette der Städte an sich vorbeiziehen läßt, in denen die Jahrestagungen der GMDS abgewickelt wurden, fallen doch wieder Zusammenhänge auf, die vielleicht nicht genau der oben abgehandelten Theorie entsprechen, die aber in diese eingepaßt werden können, wie man das so macht in der Wissenschaft.

 Von Mainz nach Lübeck, der 'Tagungststrecke' 92-93, erscheint auf Anhieb eine Ver­bin­dung ohne Hintergrund, wenn man nicht die Zeile eines Volkslieds '... von der Etsch bis an den Belt' heranzieht, da liegen die beiden Städte so richtig im goldenen Schnitt da­zwi­schen. Apropos Goldener Schnitt, wer den Lehrstuhlinhaber MI in Lübeck und den dortigen ehemaligen Fi­nanz­di­rek­tor des Klini­kums kennt, wird wissen, daß die Me­di­zi­ni­sche Akademie Lübeck hier einen Gol­de­nen Schnitt ge­macht hatte.

 Was steckt auf diesem Weg von MZ nach HL sonst noch an Besonderheiten, die hier an­ge­führt werden müssen? Die Summe der ersten Buchstaben M plus H ergibt U. U ist der erste Buchstabe des Kennzeichens der Stadt Unna, und Unna liegt genau auf der Hälfte der direkten Verbindung Mainz-Lübeck. Man glaubt gar nicht, was sich die GMDS so alles über­legt, wenn sie einen Tagungsort festlegt.

 Der Weg im davor liegenden Jahr von München nach Mainz ist natürlich ganz einfach zu erklären, er führt über Heidelberg und ohne Heidelberg geht fast gar nichts. Außerdem diente es der Einfachheit, man brauchte dem M nur noch den letzten Buchstaben hinzuzu­fügen, das rundet dann die Entscheidung so schön ab. Denn es gilt die Formel 2xM=Z. Des­ weiteren schreiben sich beide Städte mit einem Umlaut (ü bzw. ä).

 Hinzu kommt, daß immer nach zwei närrischen Städten - München und Määänz - zwei se­riöse Städte, wie Lübeck und Dresden, folgen müssen, sonst wird das mit der MI noch zu närrisch. Einmal - 62 bis 64 - gab es mit Mainz, Köln und Bonn aus Versehen sogar drei närrische Städte nacheinander. Diesen Ausrutscher konnte man nur mit Berlin als dann nächsten Tagungsort wieder ausbügeln. Insgesamt waren es aber zum Glück für die MI nur genau ein Drittel (13 von 39) närrische Städte. So ganz richtig hat man also in der GMDS dieses Strukturprinzip doch nicht durch­ge­halten.

 Offensichtlich ein Politikum: Allein 12.8 % aller Tagungen fanden in Berlin statt, das ist viel­leicht nicht weiter erstaunlich, aber daß nach Berlin zu zwei Dritteln der Weg nach Bayern führte, kann nur als eine Art Wie­der­gutmachung gesehen werden. Daß zu zwei Dritteln der Weg nach Berlin aus dem Rhein­land kam, muß mit dem oben schon erwähnten närrischen Ausgleich in Verbindung stehen. Die letzte Berliner Tagung machte dabei allerdings eine Ausnahme, in administrativer Hinsicht, sie knüpfte nahtlos an das närrische Treiben im Rheinland an.

 Nach Tagungen in Göttingen, Mainz und München, wo allein fast ein Viertel aller Jah­res­ta­gun­gen durchgeführt wurden, begab man sich überwiegend nach Köln. Offen­sicht­lich war das Verlangen nach weiterem närrischen Treiben doch noch übermächtig. Man kam zu diesen drei Städten überwiegend aus Berlin, auch kein Wunder - wer Berlin kennt? Die Summe der Kennzeichen der Städte, die vor Berlin Jahrestagungen ausrichte­ten, beträgt 69 - wieder Heidelberg - Postleitzahl (natürlich). Die Summe der Kennzeichen der Städte, die nach Berlin dran waren, entspricht der einfachen Binomialreihe 1-2-1. An was die aber auch alles gedacht haben? Alle diese Fakten sind sehr einfach nachzurechnen, ich bin schließ­lich Wissenschaftler.

 Nach schrittweiser Differenzenbildung (jeweils absoluter Wert) der Postleitzahlen aller Städte der Jahrestagungen hintereinander - die Dif­fe­renz zwischen zwei Punkten auf der Landkarte bildet schließlich den zurückgelegten Weg - ergibt sich nach dem 24. Schritt eine Reihe aus 13 Nullen. Hier muß man aller­dings fragen, ob das von der GMDS so angepeilt war, vielleicht war hierbei doch eher der Zufall am Werk. Aber davon lebt ja nun wiederum mindestens die Hälfte der gesamten GMDS. Jedenfalls ist dieser Zufall schon fast ein Wunder, aber auch das soll bei der GMDS schon passiert sein - z.B. nun doch die Vergabe der 94er Tagung nach Dresden - sonst wäre nämlich dieses schöne Modell nicht aufgegangen.

 Rücksicht auf die Geometrie hat die GMDS erst in den letzten 5 Jahren genommen. Die Verbindungen der Orte von 1990 bis 1994 ergibt fast ein Fünfeck - Berlin - München - Mainz - Lübeck - Dresden. Das Fünfeck und die Zahl 5 spielen in der Mystik eine große Rolle. Sollte sich die GMDS gar wieder auf ihren Ursprung zurückbesinnen? In der Ver­gangenheit hat man nämlich allenfalls schnöde Dreiecke zustande gebracht. Dreieck kann jeder, aber Fünfeck ist das Verdienst der beiden letzten Präsidenten.

 Mit Volksverbundenheit hatte die GMDS natürlich auch nichts am Hut, man stellte das ironi­scherweise geradezu auf den Kopf. Die Zeile aus dem Volkslied 'bald gras ich am Neckar, bald gras ich am Rhein' wurde so interpretiert, daß man früher einmal von Mainz nach Heidel­berg zog. Diese Feinheiten muß man erst einmal erkennen!

 Ein letzter Versuch die Dunkelheit um die verschlungenen Wege der Jahrestagungen unse­rer Gesellschaft zu erhellen: Natürlich kämen hier politische Ansätze in Betracht. Vor lan­ger Zeit gab es einmal schon den Weg von Bonn nach Berlin, das könnte ein wichtiger Schritt gewesen sein. Wie ist aber dann der Weg von Hannover nach Göttingen zu erklä­ren? Da muß wohl ein großes Mißverständnis geherrscht haben. Das war auch das einzige Mal, daß zwei Jahrestagungen hintereinander im gleichen Bundesland abgehalten wurden. Offensichtlich darf man sich nach einer Jahrestagung so schnell nicht wieder im gleichen Bundesland sehen lassen.

 Ein politischer Ansatz ist allerdings sichtbar, von den 39 Tagungsorten liegen nur 3 ober­halb der Achse Berlin - Hannover - Aachen. Also auch hier ist das Nord-Süd-Gefälle deut­lich sichtbar. Die Abstände zwischen diesen 3 Tagungen in nördlichen Orten sind mit 11, 15 und 11 Jahren auch auffällig groß.

 Eine Korrelation mit der Couleur der jeweiligen Landesregierungen ließ sich nicht fest­stellen, offensichtlich ist die GMDS stabiler und beharrlicher als das Wählerverhalten bei Landtagswahlen. Es ist auch nicht zu beobachten, daß nach der jeweiligen Jahrestagung die Mehrheiten in den Landes-Parlamenten wechselten, wie böse Zungen zu behaupten wagen. Eine Besonderheit ist vielleicht erwähnenswert: Vor der Jahresta­gung in Berlin 1961 hat die DDR schnell die Mauer gebaut.

 Manchmal hat die GMDS übrigens auch aufgrund der Persönlichkeit oder der Per­sön­lich­kei­ten am Ort die Jahrestagungen vergeben.